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Leseprobe
Er würde ihn umbringen. So viel stand fest. Und vorher würde er ihm die Seiten des Mathematikbuches einzeln ins Maul stopfen. Er hasste keinen Menschen so sehr wie Oberstudienrat Sass. Genüsslich malte er sich aus, wie der Lehrer um Gnade wimmern würde, wenn er, Oliver Matusch, auf der Brust des Mannes kniend, mit der Spitze der Messerklinge den Hals des Folterers ritzte und ihm befahl, die Scheiße zu fressen, mit der er jahrelang seine Schüler gequält hatte.
Zu Beginn der ersten Stunde hatten sie noch gelacht, als sich der neue Mathematiklehrer vorgestellt hatte. „Mein Name ist Sass. Oberstudienrat. Merkt euch den Namen und merkt euch Folgendes: Es gibt geniale Menschen – der Namensgeber unserer Schule war so einer – es gibt begabte Menschen und es gibt weniger begabte Menschen. Und andere, die kapieren Mathematik ihr ganzes Leben nicht, die haben den Kopf nur zum Haare Schneiden.“
An dieser Stelle hatte er sich vor der Klasse aufgebaut und die Schülerinnen und Schüler mit kaltem Blick gemustert. Sass war nicht sehr groß, darum hielt er sich gerade und trug Schuhe mit hohen Absätzen. Sein Anzug saß perfekt und wirkte edel. Die Krawatte ebenso. Oliver kannte keinen anderen Lehrer, der so viel
Wert auf sein Äußeres legte.
Das Lachen war rasch verstummt. Und als es ganz still geworden war, hatte Sass hinzugefügt: „In den meisten Klassen sitzen hauptsächlich Vertreter der letzten Kategorie. Heutzutage darf ja jeder aufs Gymnasium gehen. Aber, Herrschaften, nicht jeder darf davon ausgehen, dass er die Oberstufe erreicht.“ Erneut hatte er seinen Blick über die Jugendlichen schweifen lassen. „Mindestens ein Drittel von euch wird in den nächsten drei Jahren aussortiert. Dafür werde ich sorgen.“
Noch besser wäre Verbrennen. Bei lebendigem Leibe ...
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