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Braunschweig Krimi
Birgit Lautenbach / Johann Ebend: Einzelgänger

Leseprobe
   
   Der Waldboden federte unter ihren Füßen. Es duftete nach Tannennadeln, nach Pilzen und nach dem angenehmen Moder, in dem Holz und Gras und alles Mögliche verrottete.
   Er hatte nicht zuviel versprochen. Die Körbe füllten sich schneller, als er selbst es geglaubt hatte, und der Nachmittag war noch nicht einmal halb vorbei. Viele Maronen gab es, deren Schwämme bläulich schimmerten, wenn er mit dem Daumen darauf drückte, und auch ein paar Steinpilze.
   Immer tiefer drangen sie in den Wald vor. Die letzten Stürme hatten übel gewütet, ganze Fichten aus dem Erdreich gerissen. Ihr Wurzelwerk ragte hoch aus dem Waldboden empor und bildete sandige warme Höhlen dort, wo die Sonne durch das Baumdach fiel.
   Er umfasste die Frau von hinten, als sie sich nach einem Steinpilz bückte.
   „Lass das!“, kreischte sie, aber er konnte hören, dass sie nur überredet werden wollte.
   „Wenn nun jemand kommt“, murmelte sie in seine Halsbeuge, als sie schon auf dem Rücken im Moos lag.
   „Wer soll hier denn schon kommen“, beruhigte er sie. Seine Hand kroch an ihren Schenkeln empor, und er beglückwünschte sich zu seiner Idee, hierher gefahren zu sein.
   Ihr Schrei kam so plötzlich, aus Abgründen von Entsetzen hervor, dass er glaubte, sein Herz bliebe stehen.
   Sie lag auf dem Rücken, die Augen weit aufgerissen, und starrte nach oben. Als er sich von ihr herunter auf die Seite warf und ihrem Blick folgte, wusste er, warum sie schrie.
   Über ihnen, vor dem Blau des Septemberhimmels auf eine Wurzel gespießt wie eine gigantische Perle auf hellblauem Samt, hing der Kopf eines Menschen. Nicht der ganze Kopf, nur die Knochen.

    
   

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