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Duisburg Krimi
Irene Scharenberg: Die Sünderinnen
Leseprobe
   
  
Plötzlich ertönte die Türglocke. Das musste Frederik sein, etwas zu früh natürlich, aber bei Frederik wusste man nie. Das war ja gerade die Spontaneität, die ihr bei Bertold immer gefehlt hatte. Eilig huschte sie aus dem Badezimmer, öffnete die Wohnungstür, ließ sie aber angelehnt und kehrte vor den halb vernebelten Spiegel zurück.»Bin noch unter der Dusche«, rief sie, als sie Schritte in der Diele hörte.
   
   Insgeheim wünschte sie sich, dass Frederik Bodenthal zu ihr ins Bad kam, noch ehe sie sich angezogen hatte. Die Aussichten dafür standen gut. Der Gedanke an ein völlig unerwartetes Liebesspiel unter der Dusche erregte sie. Während sie das Badetuch über die harten Brustwarzen spannte, stellte sie sich vor, wie sie es zu Boden fallen lassen würde, sobald der lüsterne Blick des Geliebten auf ihrem Körper ruhte. Sie seufzte wohlig. Doch ehe sie sich die Situation noch weiter ausmalen konnte, spürte sie schon einen leichten Luftzug an den nackten Schultern, der sie erschauern ließ. Er war zu ihr hereingekommen. Aber sie drehte sich nicht um, suchte sein Gesicht im Spiegel – und fuhr erschrocken zusammen.
      
Der Mann, dessen eiskalte Augen wie aus dem Nebel auftauchten, war nicht Frederik. Dennoch sah sie sein Gesicht nicht zum ersten Mal. Sie wollte aufschreien, aber vor Schreck brachte sie keinen Laut über ihre Lippen. Sie wollte Fragen stellen, doch die Antwort auf die wichtigste Frage las sie in dem entschlossenen, mitleidlosen Blick. Wortlos trat der Eindringling hinter sie. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Kaltes Metall fuhr ihren Rücken entlang und hinterließ einen brennenden Schmerz. 
   

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