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Leseprobe
Devcon ließ sich in seinen Ledersessel fallen und schwang die Füße auf den fast leeren Schreibtisch. Papierkram delegierte der ehemalige Sergeant der Homicide Unit des SAPD – die Mordkommission des San Antonio Police Department, Texas – wann immer es ihm möglich war. Auf E-Mails reagierte er in der Regel telefonisch, nicht zuletzt zwecks Erhöhung der Hemmschwelle, ihn mit jeder Bagatelle zu behelligen. Neben den paar Fax-Ausdrucken erspähte er ein Päckchen Schokoladenkekse. Und grinste. Inzwischen hatte er sich daran gewöhnt, dass Regina Tamm, seine rechte Hand in der K11, sich nicht nur um Akten und Schriftverkehr kümmerte. Er aß gerade den ersten Keks, als seine Bürotür aufflog.
»Du wirst es nicht glauben, Jimbo, aber hier scheint sich eine kleine Sensation anzubahnen.« Kartan, Hugh-Grant-Frisur, ein Meter fünfundachtzig groß, wedelte mit einem
Fax.
Devcon warf ihm einen finsteren Blick zu. Wenn es etwas gab, das er noch mehr hasste als Computer – er sah darin das ultimative Werkzeug der Verbrechensindustrie – dann war es diese Verunglimpfung seines Vornamens.
»Hier, ist gerade durchgekommen. Die Kollegen aus dem Labor glauben, dass es sich bei dem Serum um ein neues Mittel zur
sexuellen Stimulanz handelt.
«Devcon hob die üppigen Brauen, die linke wölbte sich deutlich steiler nach oben. »Und was ist daran so sensationell? Ist es etwa wieder etwas vom Schlage Liquid Ecstasy?«
»Liquid Ecstasy?«
»Diese verfluchte Date-Rape-Droge, die je nach Dosierung stimulierend oder narkotisierend wirken kann! Die chemische Bezeichnung ist GHB. Ursprünglich entwickelt als ein zu schluckendes Narkosemittel und Antidepressivum. Es dient der Betäubung des zentralen Nervensystems. Allerdings nicht ohne Nebeneffekt.«
»Und was ist das für ein Nebeneffekt?«
»Bei niedriger Dosierung tritt ein Abbau von Ängsten und Hemmungen zugunsten von Geschwätzigkeit und sexueller Erregung ein.«
»Also bitte, im Vergleich mit dem restlichen Partydrogenarsenal klingt das ja beinahe schon harmlos.«
»Irrtum. Die Anzahl der Todesfälle ist zwar in der Tat vergleichsweise gering. Aber nach einem erschütternden Vorfall wurde die Droge im Jahr 2000 bei uns dennoch als ebenso gefährlich eingestuft wie Kokain und Heroin.«
»Interessant ... Hat die CIA sie im Nachhinein zur ultimativen Waffe der Monica Lewinsky erklärt?«
»Nein, eine junge Frau ist nach der Einnahme von vier Männern vergewaltigt worden und anschließend im Koma erstickt.«
»Na, da haben wir doch schon mal Glück, dass wir in Verbindung mit unserem neuen Nasenspray Vergewaltigungsdelikte offensichtlich eher nicht befürchten müssen. Hör zu, hier steht, dass eine kleine Duftbrise ausreicht, um die gewünschte Reaktion im Organismus auszulösen.« Kartan grinste anzüglich. »Soll ich mir das Zeug holen und die Wirkung persönlich überprüfen?«
»Seit wann brauchst du ein Aphrodisiakum?«
Michael Kartan winkte ab. »Die Sensation kommt erst noch. Die übereinstimmenden Reaktionen bei den vorsichtigen Riechproben deuten außerdem darauf hin, dass es bei beiden Geschlechtern gleichermaßen wirkt. Das nenne ich eine Innovation, oder? Wir checken gerade im Internet, ob die Zusammensetzung dort schon irgendwo zu finden ist. Dann können wir’s selbst nachbauen.«
»Das kann doch nicht dein Ernst sein! Das Mädchen ist tot!«
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