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Der Kassel Krimi
Wolf S. Dietrich: Die Tränen des Herkules
Leseprobe
   
  Obwohl Jörg Rascher seinen kleinen Sprengsatz gründlich vorbereitet hatte, benötigte er mehrere Stunden für die Installation. Seine Befürchtung, das Handy könnte im Keller der Villa keinen ausreichenden Empfang haben, hatte sich nicht bewahrheitet. Die Auslösung des Schalters durch die Vibration beim Anruf funktionierte zuverlässig, sodass der Stromkreis zu den Zündkapseln sicher geschlossen wurde. Nur die Anbringung des Benzinkanisters bereitete Probleme. Zwei Mal musste er das Haus verlassen, um geeignetes Befestigungsmaterial zu holen. 
  
  Schließlich war seine Installation vollständig und funktionsbereit. Ein Anruf würde genügen, um den Zündmechanismus zu aktivieren. Rascher hoffte inständig, dass es nicht dazu kommen würde. Wenn die Werte, die er hier vermutete, vernichtet würden, wäre die Aussicht auf einen baldigen Ruhestand unter südlicher Sonne dahin. Darum war es wichtig, die andere Seite über die Gefahr zu informieren. Wenn die kapieren, dass sie ohne mich nicht an die Sachen herankommen, bin ich auf der sicheren Seite. Und Susannes Kinder auch.
  
  Im Schein seiner Taschenlampe tarnte er sorgfältig den Zugang zum Versteck. Als er das Haus durch das Fenster wieder verließ, war bereits die Nacht hereingebrochen. Das Licht der Straßenlaternen beleuchtete den vorderen Teil des Parks, hinter dem Haus war es nahezu dunkel. Angestrengt versuchte er, mit den Augen die Dunkelheit zu durchdringen, um sich zu vergewissern, dass niemand ihn beobachtete. Er bewegte sich vorsichtig unter den Bäumen in Richtung Zaun. An der schmalen Pforte, die durch ein schweres Schloss gesichert war, vergewisserte er sich noch einmal, dass niemand in der Nähe war. Dann erklomm er den Mauersockel, in den die schmiedeeisernen Gitter eingelassen waren, und zog sich hoch. In dem Augenblick, als er sich über die spitzen Verzierungen des Zaunes schwang, vernahm er ein leises Lachen.
  
  Unter ihm, auf dem Fußweg, der außen am Grundstück vorbei führte, stand mit verschränkten Armen ein Mann, der ihn offensichtlich erwartet hatte. "Mach keine Dummheiten", befahl der Unbekannte und richtete den Lauf einer Pistole auf Rascher.

   

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