| Bücher - Neu - Anthologie - Krimis - Bildbände - Sagen Autoren Events Bestellungen Kontakt Impressum |
|
||
| Kassel
Krimi Horst Seidenfaden / Frank Thonicke: Fullewasser |
|||
| Leseprobe Der Ventilator brummte leise aber stetig. Die Luft in dem kleinen Büro war zum Schneiden. Kriminalhauptkommissarin Anke Dankelmann hatte es gerade bezogen. Im Regierungspräsidium waren Zimmer frei geworden – die Personalkürzungen auf Landesebene zeigten erste Auswirkungen. Und so stopfte man Kripobeamte einfach dorthin, wo bis vor kurzem noch Planer über dem Flughafenausbau brüteten. Eines von diesen Themen, bei denen Anke Dankelmann wütend werden konnte. Das Beste an dem winzigen Büro war noch der Ausblick: Sie konnte die Fulda sehen, und da würde bald der Bär steppen. Die Buden für den Zissel wurden schon aufgebaut. Das würde Arbeit geben, wusste die erfahrene Kommissarin. Schlägereien, Diebstähle – Kleinkram eben, aber auch der musste erledigt werden. Und es würde viel Bier fließen. Sie selbst hatte gestern davon offenbar auch eines zu viel gehabt. Die Doppelkopfrunde bei Lohmann. Verloren hatte sie auch noch – Günter, ihr Nachbar, von dem sie glaubte, dass er heimlich in sie verliebt war, hatte gewonnen. Der Ventilator brummte wie ihr Schädel. Da platzte die Katastrophe herein. Besser gesagt, es war der Kollege Bernd Stengel. Ebenfalls Hauptkommissar, aber nie blau. Er verabscheute Alkohol, aß statt Döner nur Gemüse und war die Fitness in Person. Ekelhaft. „Morgen Kollegin, na, kurze Nacht gehabt?” „Was geht dich das an?”, antwortete sie mürrisch. „Ich hab was Schönes für dich.“ Bernd Stengel warf voller Elan eine Akte auf den unaufgeräumten Schreibtisch. „Wir haben eine Wasserleiche. Offenbar einer von den Schaustellern, die die Zisselbuden aufbauen. Nicht sehr appetitlich. Bevor er im Wasser landete, hat er Stahl gefressen. Ein Messer, mitten in den Bauch.” „Hör auf“, protestierte Anke Dankelmann, „mir ist schon schlecht. Irgendwelche Zeugen?“ „Nur ein gewisser Gianni Nobile, Student und mobiler Eisverkäufer. Der hat die Leiche entdeckt.“ Anke Dankelmann seufzte. „Der Tag fängt ja gut an.“ Sie blickte noch einmal auf die Fulda. Aus dem ruhigen Fluss war plötzlich ein Tatort geworden. Und das zum Zissel. Die Kommissarin ahnte Böses. Feiernde Menschen. Eine undurchsichtige Szene. Viel Arbeit stand bevor. ... |
|||