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Der Wetzlar Krimi
Annette Biemer: Brückenschlag
Leseprobe
   
„Kommst du heute Abend zum Essen? Ich mache heiße Fleischwurst.“
„Kriege ich die Wurst auch, wenn ich dir nichts über die Ermittlungen verrate?“
Friedrich musste lachen. „Ich bin ganz schön plump, was? Ich geb’s zu: Ich habe eine kleine Bitte an dich. Nicht dass du nachher wieder sagst, ich wäre hinterlistig und hätte dich hergelockt. Aber das Essen kommt trotzdem von Herzen. Das meine ich ganz ehrlich.“
„Da steht mir ja wieder was bevor. Aber ich komme gerne. Ich brauche nämlich auch deinen Rat und vielleicht sogar deine Hilfe!“
„Wie das?“
„Das besprechen wir dann heute Abend. Oh, ich darf nur nicht vergessen, Verena Bescheid zu sagen. Wann soll ich denn da sein?“
„Wann machst du Feierabend?“
„Feierabend? Was ist das denn? Aber ich schätze, ich komme so um neunzehn Uhr hier raus. Dann wäre ich um viertel nach bei dir. Passt das?“
„Einwandfrei.“ Friedrich legte auf und rieb sich die Hände.

„Also, du zuerst, damit ich mich wieder abgeregt habe, wenn die Fleischwurst heiß ist“, sagte Hollereut.
Friedrich legte einen ganzen Ring ins siedende Wasser und setzte sich. „Also, ich möchte dich bitten, dass du mich mit Frau Graberts bekannt machst.“
Hollereut sah ihn an und prustete los.
„Ich meine es ernst, Dieter.“
„Schon gut. Aber ich wollte dir fast das Gleiche vorschlagen.“ 
„Wie?“
„Ja, bei der Frau kommen wir nicht richtig weiter. Nicht dass ich sie in irgend einer Weise verdächtige, aber sie weiß etwas über ihren Mann, womit sie nicht so richtig rausrückt. Vielleicht schämt sie sich. Ich habe die starke Vermutung, dass irgendetwas vorgefallen sein muss. Daher dachte ich, wir versuchen’s mal mit der Schulter zum Ausheulen. Der Schulter eines reifen, bodenständigen Herrn.“
„Auf gut Deutsch: Mit meiner Schulter.“
„Genau.“
„Die Methode ist aber recht fraglich.“
„Und seit wann stören dich fragliche Methoden?“
„Och, seitdem ich pensioniert bin, nicht mehr so sonderlich.“

   

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