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| Wien
Krimi Robert Pucher: Katerfrühstück |
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| Leseprobe Daniel erwachte aufgrund akuter Atemnot. Seine Zunge fühlte sich pelzig an und war voller Katzenhaare. Die ersten Sonnenstrahlen fielen grell durchs Fenster, direkt auf Vincent, der sich wohlig rekelnd auf seiner Brust breitgemacht hatte und ihm das Hinterteil ins Gesicht stemmte. Angewidert stieß er das Tier von sich. Als er sich mühsam aufrichtete, fuhr ein stechender Schmerz durch seinen Kopf. Vom Genick bis nach vorn ins linke Auge. Daniel stöhnte gequält auf. Mehr als drei oder vier Stunden konnte er nicht geschlafen haben, so benommen, wie er sich fühlte. Angestrengt versuchte er, Erinnerungen an den Vortag abzurufen. Das Erste, das ihm einfiel, war die schreckliche Szene, die er Monika im Türkenschanzpark gemacht hatte. Schamesröte stieg ihm ins Gesicht. Entsetzlich! Wie ein Vollidiot hatte er sich benommen, wie der letzte Hinterwäldler. Sobald er das dröhnende Pochen in seinem Schädel unter Kontrolle gebracht hatte, würde er sich bei Monika melden, beschloss er. Eine Entschuldigung war angesagt. Irgendwie musste er den Schaden, den er angerichtet hatte, in Grenzen halten. Vielleicht sollte er ihr einen Strauß Blumen zukommen lassen, oder eine Schachtel Schwedenbomben. Die mochte sie besonders gerne … Ein Poltern aus dem Vorraum erinnerte ihn an Vincent. Den Kater füttern, fiel ihm ein, und er wollte es lieber gleich hinter sich bringen, bevor der noch das ganze Haus auf den Kopf stellte. Zittrig tastete er sich in die Küche. Allein der Gedanke an den üblen Geruch des Katzenfutters drehte ihm beinahe den Magen um. Wo war das Vieh überhaupt? Eigentlich sollte es ihm nicht von der Seite weichen und nachhaltig die längst überfällige Mahlzeit einfordern. Die Blutspur am Boden nahm Daniel erst auf zweiten Anhieb wahr. „Er ist verletzt“, murmelte er und dachte sofort ans Einschläfern. Der Gedanke, eine lästige Verpflichtung weniger am Hals zu haben, gefiel ihm. Aber wen Maria zur Verantwortung ziehen würde, stieße ihrem kleinen Schatz etwas zu, wurde ihm eine Sekunde später bewusst und bereitete ihm große Sorgen. Als er schließlich die Lade öffnete, in der das Katzenfutter tonnenweise gelagert war, kam der Kater sofort in die Küche getrabt, den Schwanz voller Vorfreude kerzengerade aufgestellt. So schlimm war es also doch nicht um ihn bestellt, bemerkte Daniel erleichtert. Er hob das Tier hoch und betrachtete es von allen Seiten. Er konnte keine Verletzung erkennen. Woher kam dann das Blut? Irgendetwas musste passiert sein, während er geschlafen hatte. Soviel stand fest. Und weil Maria wieder einmal nicht da war, würde er es in Ordnung bringen müssen, worunter sein geregelter Tagesablauf zweifellos zu leiden hätte. Daniel konnte Überraschungen nicht ausstehen. Sie machten ihn nervös, da sie, wie er aus Erfahrung sagen konnte, meist böse endeten. Er ließ Vincent auf den Boden plumpsen und drehte sich um. Vorsichtig folgte er den Pfotenabdrücken durch die Küche und den Vorraum. Sie führten geradewegs ins Badezimmer. Die Tür stand einen Spalt offen, bemerkte er, und seine Pulsfrequenz erhöhte sich augenblicklich. Schweiß brach aus sämtlichen Poren seines Körpers. Vincent huschte an ihm vorbei und verschwand im Bad. Daniel gab sich einen Ruck. Was sollte schon sein?, versuchte er sich aufzumuntern. Vielleicht war das gar kein Blut. Woher sollte es auch stammen? Er stieß die Tür auf und knipste das Licht an, gerade als Vincent hinter dem Duschvorhang in der Badewanne verschwand. Er würde hier gründlich sauber machen müssen, bevor Maria morgen heimkehrte, dachte er noch. Ihr Gezeter, wenn sie die Sauerei sähe, wollte er sich lieber ersparen. Mit einem Ruck zog er den Duschvorhang beiseite und prallte zurück ... |
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